Rezension: Heartbeats - Meine Zeit mit dir.

 

H E A R T B E A T S  -  M E I N E  Z E I T  M I T  D I R

Shelley Coriell

Chloe hat eine riesengroße Sammlung Second-Hand Pumps und immer ein paar Lakritzschnüre für den Notfall in ihrer Handtasche. Trotzdem ist sie unglücklich. Von ihren besten Freundinnen gemobbt und zuhause stets verbalen Gefechten ausgesetzt, ist aus der immer fröhlichen Chloe plötzlich eine echte „Außenseiterin“ geworden. Und weil der Ärger, wenn er kommt, dicke kommt, wurde sie von ihrer Lehrerin auch noch dazu verdonnert, sich für das kränkelnde Schulradio einzusetzen. Das wird gleich von einem ganzen Haufen freakiger „Außenseiter“ gemacht – und nicht mal die wollen Chloe zu Beginn bei sich haben. Außer einer … Duncan. Dank des brummigen Jungen mit den schönen Augen, lässt Chloe sich auf die Sache ein – und es wird ihr Leben verändern. Aber nicht nur ihres...


 
Dieses Buch ist mir eher zufällig in die digitalen Hände gefallen. Ich fand das Cover irgendwie süß, wie sie mit ihren Kopfhörern so gutgelaunt und ein bisschen frech in die Kamera schaut. Der Titel ist okay, aber ich finde den Originaltitel "Welcome, Caller, This Is Chloe" viel, viel passender! Der deutsche Titel will in meinen Augen nicht so gänzlich zur Geschichte passen. Aber gut, kann man eh nicht ändern.

Im Buch geht es um die liebreizende Chloe, die mit ihrem Faible für Schuhe aus vergangenen Jahrzehnten durchs Leben stöckelt und gern im Rampenlicht steht. Sie scheut sich nicht vor peinlichen Momenten, steht sie doch gern im Auge der Aufmerksamkeit. Doch wird ihr das mit einem Mal zum Verhängnis, als ihre besten Freundinnen sie von heute auf morgen auf der Ersatzbank parken und ihr vorwerfen, sie sei ein egozentrisches Miststück. Ohne Freundinnen, die ihr Halt geben könnten, wird auch noch ihr Projektthema für die Abschlussarbeit von ihrer Beratungslehrerin abgelehnt, weshalb ihr nichts anderes übrig bleibt, als beim Schulradio einzusteigen, was kurz vor dem Aus steht. Wenn einmal etwas schief geht, dann halt richtig. Die seltsame Truppe des Schulradios begegnet ihr mit Messerstichen ins Herz und eiskalten Blicken, nur Duncan - Techniker des Radios - schenkt ihr Zuversicht. Chloe kämpft nun also mit den zerstörerischen Mobbingattacken ihrer ehemals besten Freundin, mit einem verloren geglaubten Projektthema und der plötzlichen Ablehnung einer ganzen Schule. Wenigstens ist da ihr unglaublicher Optimismus und der stille Duncan, um die Welt in Bewegung zu halten...

Ihr unglaublicher Optimismus - ein Fakt, der mir von Chloe absolut im Gedächtnis geblieben ist. Ich habe noch nie einen solch positiven Charakter erlebt. Aber kommen wir erstmal allgemein zur Geschichte. 

Gleich zu Beginn findet man sich in Chloes Welt wieder und erlebt gemeinsam mit ihr die Abfuhr durch ihre besten Freundinnen. Das stiftet erstmal absolute Verwirrung, nicht nur bei der Protagonistin.  Für einen ziemlich langen Zeitraum - ein genialer Schachzug der Autorin, denn die Spannung war dadurch stets oben. Genau wie Chloe, wollte ich herausfinden, wieso sie so plötzlich von ihren Freundinnen abgelehnt wurde. Durch die anstehende Projektarbeit im Sender erhält die Geschichte durchgehend einen roten Faden. Der Schreibstil ist dabei flüssig, leicht zu lesen und klar verständlich. Ich kam damit sehr gut zurecht.

Ich muss gestehen, dass mir Chloe anfangs ganz schön auf die Nerven ging. Denn ich musste unweigerlich ihren Freundinnen Recht geben (auch wenn ich nicht mit den Mobbing-Methoden einverstanden war!) - Chloe ist ein ziemlich egozentrischer Mensch, der gern im Mittelpunkt steht. Ich habe ziemlich oft die Augen verdreht und wollte Chloe am liebsten schütteln. Erst im Laufe der Geschichte wurde mir bewusst, dass es von der Autorin aber so beabsichtigt sein musste. Ganz ehrlich, sonst erleben wir Geschichten von grauen Mäuschen, die plötzlich zum selbstbewussten Schwan aufsteigen - diesmal ist es anders. Chloe ist ein absolut selbstbewusster, strahlender Schwan - nur muss dieser auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Nicht im Sinne einer Highschool-Diva - nein! Sie ist ein Unikat mit einem verdrehten, ungewöhnlichen Geschmack. Sie fällt gern auf und genießt das Leben. Nur vergisst sie dabei öfters ihre eigene Welt mal auszublenden, um die der Anderen zu sehen. Diese Entwicklung ist Hauptteil der Geschichte, unterstützt von ganz wunderbaren Nebengeschichten und -charakteren.

Chloe hat aber auch sehr sympathische Züge an sich. Wie weiter oben angedeutet, besitzt sie einen außergewöhnlichen Hang zum Optimismus. Man hat manchmal das Gefühl, dass sie nichts erschüttern kann. Im Laufe der Geschichte wird ihr teilweise übel mitgespielt, doch lässt sie sich davon nicht beirren. Sie steht auf, richtet ihre Krone und stolziert weiter ihren Weg entlang. Auch die Radiotruppe macht es ihr nicht leicht, Zugang zu finden. Im Gegenteil. Und doch beißt sie sich durch und gewinnt Schritt für Schritt die Herzen ihrer Umgebung. Das fand ich faszinierend.

Die Radiotruppe ist ein absolut angenehmer Haufen von Menschen mit ganz unterschiedlichen Problemsituationen. Und Chloe entdeckt Schritt für Schritt die Hintergründe eben dieser Menschen und erkennt dabei für sich selbst, wie wichtig es ist, hinter die Fassaden zu blicken. Sie erlebt den Begriff von Freundschaft auf eine ganz neue Weise. Und gleichzeitig waren es so witzige Momente, besonders wenn Clementine und Chloe sich verbal duellierten. Köstlich!

In diesem Buch gibt es natürlich auch die Liebe zu finden. Duncan ist geheimnisvoll, aber aus gutem Grund. Er ist ein sehr sympathischer Charakter, manchmal fast zu gut, um wahr zu sein. Doch stand die Liebesbeziehung von Chloe und Duncan nicht zwingend im Vordergrund - sie war eher das angenehme Nebenprodukt einer Entwicklung der Charaktere. In erster Linie behandelt die Geschichte Veränderungen der eigenen Persönlichkeit, wenn man erst einmal den Blick auf das Leben der Anderen gerichtet hat.

Alles in allem ein schönes Buch mit Höhen und Tiefen. Manchmal hing mir Chloes Verhalten zum Hals raus, bzw. ihre eigene Sichtweise auf sich selbst. Deswegen ziehe ich auch ein Pünktchen ab. Es erschien mir an manchen Stellen doch etwas zu übertrieben. Da bekommt "Eigenlob stinkt" eine ganz neue Bedeutung, so oft wie sich Chloe selbst in den Himmel gelobt hat.


WERTUNG
4 von 5 Punkten

 
Heartbeats - Meine Zeit mit dir | Shelley Coriell | 22.03.2016 | Kindle



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