Rezension: Für immer Hollyhill.

 

  F Ü R  I M M E R  H O L L Y H I L L

Alexandra Pilz

Zwei Mal schon hat Emily mit dem englischen Dorf Hollyhill Abenteuer in anderen Zeiten erlebt. Doch jetzt ist sie schweren Herzens nach Hause zurückgekehrt, wild entschlossen, ihre große Liebe Matt zu vergessen und einfach ein ganz normales Leben zu führen. Ein Leben mit ihrer Oma und ihrer besten Freundin Fee. Aber wo steckt die eigentlich? Sie wird doch nicht …? Doch, Fee ist kurzerhand in den Flieger gestiegen und hat Hollyhill gefunden. Und noch während sich Fee in den umwerfend charmanten Cullum verguckt, reist der Ort in die wilden Zwanzigerjahre. Emily muss hinterher! Denn dort lauert große Gefahr: Matt ist dabei, eine riesige Dummheit zu begehen. Nicht nur sein Schicksal, sondern das von ganz Hollyhill steht auf dem Spiel. Kann Emily das Dorf und den Jungen retten, den sie über alles liebt?


 
Also zu Beginn muss ich sagen, dass ich mir bei der Inhaltsangabe etwas anderes vorgestellt habe, als mich letztendlich erwartete. Nur ein bisschen zumindest. Leider muss ich auch gestehen, dass mich dieser vorerst letzte Band etwas enttäuscht hat, im Vergleich zu den Vorgängern. Wieso? Das verrate ich ein Stück weiter unten.

Im dritten Band dieser Reihe ist Emily nach München in ihr altes Leben zurückgekehrt. Sie versucht Hollyhill und vor allem Matt aus ihrem Kopf zu streichen, schließlich hatte sie ganz andere Zukunftspläne, an der Seite ihrer Großmutter und ihrer besten Freundin Fee. Doch hat Fee ganz andere Pläne, wie es scheint, denn sie ist kurzerhand vor Emilys Rückkehr in den Flieger nach England gestiegen, um Hollyhill zu finden, was ihr auch gelingt. Emily weiß nichts davon, zumindest solange, bis plötzlich zwei altbekannte Gesichter vor ihrer Haustür in München auftauchen: Silly und Joe. Die Beiden erzählen Emily, wie Fee vor kurzer Zeit in Hollyhill auftauchte und sie nun gemeinsam mit den Bewohnern von Hollyhill in den 1920er Jahren feststeckt. Wie kann das sein? Doch reicht dieses Chaos nicht aus, denn Matt plant Unheilvolles und stürzt sich in eine Dummheit, die Emily nun versuchen muss zu verhindern. Und so reist sie ein letztes Mal nach Hollyhill...

Ich hatte mich wirklich sehr auf diesen letzten Band gefreut, aber leider wurden meine Erwartungen nicht gänzlich erfüllt. Am Schreibstil gibt es nach wie vor nichts zu meckern. Leicht, flüssig, gut verständlich. Das zieht sich konstant durch alle Bände und das finde ich super! Und doch ist etwas in diesem Buch anders: die Perspektive des Erzählers. In den anderen zwei Bänden erhielt man die Sichtweise auf die Geschehnisse durch Emily, zwar nicht in Ich-Form, aber doch aus ihrer Perspektive. Doch nun änderte sich das plötzlich. Neben Emily, spielen nun auch Fee und Matt eine Rolle in der Darstellung des Inhalts. Einige Kapitel sind aus Fees Augen geschildert, ein anderes aus Matts Augen. Und das fand ich irgendwie blöd. Zumal ich eh nicht wirklich mit Fees Art warm werden konnte. Da fiel es mir noch schwerer, "ihre" Kapitel zu lesen. 

Die Geschichte an sich war im Grunde simpel, im Vergleich zu den Vorgängern fast schon schlicht. Es gibt keinen direkten Kriminalfall - eher ein Aufkochen einer altbekannten Geschichte. Im Fokus liegt hierbei die Ermordnung der Eltern von Matt und Josh. Nur habe ich den Sinn dahinter nicht völlig begriffen. Matt - der seit bald einem Jahrhundert nach den Regeln von Hollyhill arbeitet, weil er weiß, dass man in die Geschichte nicht eingreifen darf, beschließt plötzlich, diese Regeln außer Acht zu lassen? Das hat für mich nicht so ganz zusammengepasst. Ein weiterer inhaltlicher Aspekt dieses dritten Bandes war das Chaos in Hollyhill selbst. Das Dorf begann verrückt zu spielen, die "Maschine" funktionierte nicht mehr, Emily war mit Gespenstern konfrontiert und plötzliche Stürme und Wetterumschwünge fegten durch die Straßen von Hollyhill. Hinzukommen die kryptischen Codes, die die besagte "Maschine" ausspuckt und ihnen eigentlich helfen sollten. Für meinen Geschmack haben die Bewohner viel zu lang dafür gebraucht, um diesen Code zu knacken... zumindest hatte ich ihn bereits gefühlte Stunden vorher entschlüsselt und so war es ziemlich mühsam für mich, den Weg der Erkenntnis nochmal zu gehen. 

Um das Chaos noch zu perfektionieren wurde die Gründungsgeschichte von Hollyhill auf den Tisch geknallt - und an dieser Stelle dachte ich: Ja, das passt doch super, her mit der Entstehungsgeschichte! Naja, aber Pustekuchen. Man erfährt zwar Hintergründe zur Gründerin, aber es wird in keiner Weise aufgeklärt, wieso das Dorf jetzt eigentlich plötzlich durch die Zeit reisen kann. Das fand ich so schade! Immerhin dreht sich das Buch doch um Hollyhill! Wieso wurde die Entstehungsgeschichte nicht zum Hauptplot ausgearbeitet - so hätte Miss Pilz einen neuen interessanten Fall präsentieren können und gleichzeitig im letzten Band mal wirklich auf das Dorf Hollyhill eingehen können. Stattdessen wird man mit einer an sich selbst zweifelnden Protagonistin, unverständlichen Handlungsweisen und kindischen Auseinandersetzungen konfrontiert.

Und ja, mit dem letzten Punkt meine ich vorallem Fee. Gott, ich mag sie nicht. Es tut mir echt leid. Aber immer wenn ich sie "gelesen" habe, hatte ich diese überdrehte, quietschige Stimme im Kopf von einem naiven, blonden Mädchen, dass keine Ahnung von der Welt hat. Genau das ist mein Bild von ihr. Und es wurde nicht besser, als die Geschichte zwischen Cullum und ihr ins Rollen kam. Okay, das war zu viel gesagt... da gab es eigentlich nicht wirklich eine Geschichte, die ins rollen hätte kommen können. Miss Pilz hat dem Leser vorgegeben, dass die beiden sich gut verstehen und bumm, sie sich dann plötzlich auch küssten. Da war keine Entwicklung zu spüren, kein Herantasten, nichts - einfach nur vor vollendete Tatsachen gesetzt und das war sooo schade. Ehrlich. Man hätte doch so viel daraus machen können!! Zudem gefiel mir diese verweichlichte Cullum nicht wirklich. Irgendwie war er wie mit Weichspüler durchgeschleudert und das war mehr als schade.

Ein weiterer Punkt, wieso dieser Band nicht zu meinen Liebsten gehört: etwa 2/3 des Buches war Matt quasi abwesend. Ich kann es absolut nicht leiden, wenn einer der Hauptprotas in einem Band mehr als die Hälfte nicht anwesend ist (Übrigens einer der Gründe, wieso ich Band 2 von Twilight meist konsequent ignoriere). Zudem kann ich seine Handlungsweisen nicht nachvollziehen. Ich meine, er stellt Vermutungen an, Hollyhill betreffend, aber handelt dann gegensätzlich. Das verstehe ich einfach nicht. Und erst als Emily auftaucht handelt er plötzlich so, wie er es vorher schon vermutete? Das war frustrierend.

Das alles klingt hier grade echt negativ - aber ich musste etwas von dem Frust loslassen, der sich mit diesem Band aufgestaut hatte. Es sind am Ende einfach viele Fragen offen geblieben und auch Unverständnis. ABER es gab durchaus auch sehr schöne Aspekte. Besonders die Entwicklung von Chloe hat mich sehr gefreut und hat dazu geführt, dass ich sie letztendlich  mochte. Natürlich auch der Aspekt des Happy Ends, wie es der Titel ja im Grunde schon vorhersagte. Auch schließt sich so mancher Kreis, der seit Band 1 offen gelassen wurde, was ich durchaus positiv bewerte!
 
Ich bereue nicht, es gelesen zu haben. Das Buch war okay, aber mehr auch nicht. Dafür, dass die Autorin fast 2 Jahre gebraucht hat, um diese Fortsetzung zu veröffentlichen, empfand ich es als schwach. Und doch hoffe ich ja insgeheim, dass diese Reihe noch nicht abgeschlossen ist. So ein vierter Band ganz nach dem Motto "Neues aus Hollyhill" könnte die Schwachstellen des dritten Bandes sicher gut kaschieren, wenn man es richtig anstellt.


WERTUNG
3 von 5 Punkten

 
Für immer Hollyhill | Alexandra Pilz | 29.02.2016 | Kindle



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen